Richtlinien für das Amt des nationalen Koordinators

Richtlinien

         

Der nationale Koordinator für die Anderssprachigenmissionen ist eine Vertrauensperson der Schweizer Bischofskonferenz. Er arbeitet eng mit den Diözesanbischöfen, insbesondere mit dem bischöflichen Delegierten für Migration, und mit dem Nationaldirektor für die Anderssprachigenseelsorge zusammen. Er ist die Kontaktperson zur Bischofskonferenz und zur kirchlichen Migrations-kommission des Herkunftslandes, aus dem die Mehrzahl der Gläubigen, der Missionare und der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammt.

   

Grundsätzliche Überlegungen 

   

Aus der Pastoralinstruktion "Erga migrantes caritas Christi“:

73. Unter den Mitarbeitern der Pastoral im Dienst der Migranten ist die Rolle des nationalen Koordinators von Bedeutung; die Stelle ist mehr für die Unterstützung für die Kapläne I Missionare einer bestimmten Sprache oder eines Landes eingerichtet als für die Migranten selbst, und sie ist auch eher Ausdruck der Kirche ad quam zu Gunsten der Kapläne I Missionare, ohne dass der Inhaber der Stelle als ihr Repräsentant gesehen wird. Er steht also im Dienst der Kapläne I Missionare, die die "Befähigungserklärung" ­also das Reskript, das von der Bischofskonferenz a qua gegeben wird (vgl. DPMC 36.2) - in Ländern mit einer grossen Zahl von Migranten, die aus einer bestimmten Nation kommen, erhalten.

74. Gegenüber den Kaplänen I Missionaren übt der nationale Koordinator die Aufgaben der brüderlichen Aufsicht, der Moderation und der Verbindung zwischen den verschiedenen Gemeinden aus. Er hat aber keine direkte Kompetenz bezüglich der Migranten, die kraft des Wohnsitzes oder des Nebenwohnsitzes der Jurisdiktion der Ordinarien I Hierarchien der Teilkirchen oder Eparchien unterstehen. Er hat auch keine Jurisdiktionsgewalt über die Kapläne I Missionare, welche bezüglich der Ausübung des Amtes dem Ortsordinarius unterstehen, von dem sie die entsprechenden Befugnisse erhalten. Der nationale Koordinator muss also in enger Verbindung mit den nationalen und diözesanen Direktoren der Pastoral für die Migranten handeln.“

   

Das Amt des nationalen Koordinators

     

Die Schweizer Bischofskonferenz ernennt einen nationalen Koordinator für jene Migrantengruppen, für welche mindesten 10 Missionen errichtet sind.

Der nationale Koordinator ist das Bindeglied zwischen den Bischofskonferenzen und den Ortsordinarien des Herkunftslandes und des Einwanderungslandes, mit denen er nach Bedarf Kontakte pflegt. Er gehört - wie die Kapläne I Missionare und die Migranten - der Ortskirche des Einwanderungslandes an.

   

Praktische Hinweise

     

1. Ernennung

Der nationale Koordinator wird von der Schweizer Bischofskonferenz ernannt nach einer Konsultation der Missionare und der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch die missio canonica vom Ortsbischof oder vom bischöflichen Delegierten für Migration eine pastorale Aufgabe wahrnehmen und für welche der nationale Koordinator beauftragt wird, und im Einvernehmen mit der Bischofskonferenz des Herkunftslandes, aus dem die Mehrzahl der Priester und der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammt.

Die Einzelheiten sind im Dokument "Regelung zur Ernennung des nationalen Koordinators" festgelegt.

Zum nationalen Koordinator wird ein Priester ernannt, der mit den kirchlichen und sozialen Verhältnissen in der Schweiz vertraut ist und eine der Landessprachen, wenn möglich die Lokalsprache im Sitz des Koordinators, versteht und spricht.

2. Amtsdauer

Die Amtsdauer des nationalen Koordinators beträgt 5 Jahre. Sein Mandat kann nach Ablauf der Amtsdauer einmal erneuert werden.

3. Rat des nationalen Koordinators

Dem nationalen Koordinator steht ein Rat zur Seite, dessen Mitglieder die Missionare und die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertreten und von ihnen gewählt werden.

Die Bestellung des Rates, die Amtsdauer und die Kompetenzen sind im "Rahmenstatut für den Rat des nationalen Koordinators" geregelt.

4. Der nationale Koordinator und die Kommissionen von migratio

Der nationale Koordinator gehört von Amtes wegen der Pastoralkommission und der Administrativ-kommission von migratio an. Er kann in weitere überdiözesane Kommissionen, die sich mit der Anderssprachigenseelsorge befassen, berufen werden.

   

Rechte und Pflichten

    

1. Rechte des nationalen Koordinators

a) Grundsätzlich gelten für den nationalen Koordinator die Bestimmungen der Instruktion: „Erga migrantes caritas Christi“. Die Ortsbischöfe können dem nationalen Koordinator weitere Rechte übertragen.

b) Der Ortsbischof konsultiert den nationalen Koordinator in allen Belangen, welche die Missionen betreffen, für die er ernannt ist. Der nationale Koordinator pflegt die notwendigen Kontakte mit den Ordinariaten.

c) Die kanonische Visitation der Missionen wird grundsätzlich durch den Ortsbischof oder von einem durch ihn beauftragten Visitator durchgeführt. Die Visitation wird mit dem nationalen Koordinator vorbereitet und ausgewertet. Der Ortsbischof kann auch den nationalen Koordinator mit der Aufgabe zur Visitation der Missionen beauftragen. In diesem Fall hat der nationale Koordinator einen schriftlichen Bericht zuhanden des Bischofs abzufassen.

d) Der nationale Koordinator steht im Dienst der Missionare und nimmt die Aufgabe der brüderlichen Aufsicht, der Moderation und der Verbindung zwischen den verschiedenen Missionen wahr.

e) Der nationale Koordinator ist bevollmächtigt, überdiözesane pastorale Dienste der Missionen zu koordinieren und die Zusammenarbeit zwischen Pfarreien und Missionen zu fördern.

2. Pflichten des nationalen Koordinators

a) Der nationale Koordinator legt der Schweizer Bischofskonferenz jährlich einen schriftlichen Bericht über seine Tätigkeit vor. Er stellt diesen Bericht auch den Ordinariaten zu mit speziellen Hinweisen zu den Missionen in der entsprechenden Diözese.

b) Der nationale Koordinator ist - nach Absprache mit dem Nationaldirektor für die An­derssprachigen-seelsorge in der Schweiz - besorgt für die notwendigen Kontakte zwischen der Schweizer Bischofskonferenz und der Bischofskonferenz des Herkunftslandes.

c) Der nationale Koordinator steht mit der kirchlichen Migrationskommission des Herkunftslandes in Verbindung, um geeignete und für den Dienst an Migranten vorbereitete Priester zu gewinnen. Er führt diese Priester in ihre neue Aufgabe ein.

d) Der nationale Koordinator organisiert und ermuntert sie zur Teilnahme an den Dekanatssitzungen sowie an den Einkehrtagen und Weiterbildungskursen, die von ihm für die Missionare und die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbereitet und durchgeführt werden.

3. Der nationale Koordinator und die religiösen Gemeinschaften

Der nationale Koordinator hat gegenüber den Missionaren, die einer religiösen Gemeinschaft angehören, die gleichen Rechte und Pflichten wie gegenüber den andern Missionaren und Missionen.

Der Zuständigkeitsbereich und die Kompetenzen der betreffenden Ordensobern sind zu gewährleisten.

    

Verschiedenes

    

Der Umfang der Anstellung des nationalen Koordinators wird vom bischöflichen Delegierten in Absprache mit den Kommissionen von migratio festgelegt.

Die zuständigen administrativen Instanzen der Kirche in der Schweiz sorgen für ein angemessenes Gehalt des nationalen Koordinators und für die Deckung der Aufwendungen, welche durch seine Amtstätigkeit entstehen.

Die nationalen Koordinatoren treffen sich regelmässig mit dem bischöflichen Delegierten für Migration und mit dem Nationaldirektor für die Anderssprachigenseelsorge, um Fragen der Pastoral zu besprechen, die zuständigen Instanzen zu informieren und gegenseitige Anregungen zu vermitteln.

Diese Richtlinien wurden von der Pastoralkommission von migratio an der Sitzung vom 21. Dezember 2005  und von der Administrativkommission von migratio an der Sitzung vom 22. März 2006 verabschiedet.

Die Schweizer Bischofskonferenz hat sie an ihrer Sitzung vom.5. – 7. Juni 2006 genehmigt und in Kraft gesetzt.

 

Luzern, 8. Juni 2006

     

Anhang

zu „Richtlinien für das Amt des nationalen Koordinators“

Unter „Verschiedenes“ wird ausgeführt: „Der Umfang der Anstellung des nationalen Koordinators wird vom bischöflichen Delegierten in Absprache mit den Kommissionen von migratio festgelegt“.

An der Sitzung vom 26. April 2006 hat Mgr. Norbert Brunner, bischöflicher Delegierter für Migration, Sitten, zusammen mit Mgr. Martin Gächter, Präsident der Pastoralkommission von migratio, Solothurn, und Herrn Fredy M. Isler, Präsident der Administrativkommission von migratio, Winterthur, folgende Beauftragung beschlossen:

° Koordinator für die italienischsprachigen Missionare:        50%

° Koordinator für die spanischsprachigen Missionare:                      30%

° Koordinator für die portugiesischsprachigen Missionare:   20%

° Koordinator für die kroatischsprachigen Missionare: 20%

   

    

Die Schweizer Bischofskonferenz hat diesen Beschlüssen zugestimmt an der Sitzung vom 5. – 7. Juni 2006 in Einsiedeln.

Luzern, 8. Juni 2006