Migratio | 12.09.2013

„Migration – Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung“


Migratio | 05.06.2013


11.05.2013

"Migration - Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung"



11.05.2013

Wort der Schweizer Bischöfe

"Migration - Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung"

„Immer mehr Ausländer unter uns“

 

Liebe Brüder und Schwestern

 

Jedes Jahr gibt es in der Schweiz mehr Ausländer. Das kann unter den Einheimischen einige Beunruhigung auslösen. Es gibt manche Überlegungen und Vorschläge, wie diese stete Zunahme gestoppt werden könnte. Doch warum kommen so viele Ausländer zu uns? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Viele kommen, weil sie von Schweizern gerufen werden, um hier zu arbeiten und zu helfen. Andere kommen zu uns, um einer Not zu entkommen: sie suchen bei uns eine Arbeit, die sie in ihrer Heimat nicht finden können. Wieder andere müssen aus ihrer Heimat fliehen, um dem Krieg und der Verfolgung zu entkommen. Als Asylanten hoffen sie auf eine freundliche Aufnahme in der friedlichen Schweiz.

 

Bei allen Ausländern, die zu uns kommen, können wir einigen Mut feststellen. Es ist nie einfach, seine vertraute Heimat zu verlassen, um in einer fremden Welt eine neue Existenz aufzubauen. Es tut ihnen gut, wenn sie nicht mit Misstrauen oder Ablehnung, sondern mit Wohlwollen aufgenommen werden.

 

Zum heutigen Tag der Völker hatte schon Papst Benedikt XVI. eingeladen, uns Gedanken zu machen zu „Migration – Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung“. Die Ausländer kommen voll Hoffnung und Vertrauen zu uns. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie bei uns nicht enttäuscht werden.

 

In diesem Jahr des Glaubens dürfen wir uns daran erinnern, wie jeder Mensch in seinem Leben viel vertrauen muss. Er muss darauf vertrauen können, dass andere Menschen ihm gut gesinnt sind. Migranten vertrauen gerne auf Gott, dass er sie auch in der Fremde auf unbekannten Wegen führt. Die Bibel berichtet von vielen Menschen, die als Migranten unterwegs sind. Abraham, der Urvater des Volkes Gottes, war ein Migrant, der vom Zweistromland nach Palästina kam. Mose hat das Volk Gottes aus Ägypten ins gelobte Land geführt. Auch Jesus war mit seinen Jüngern stets unterwegs. Migranten sind Pilger der Hoffnung. Kein Wunder, dass an unseren Wallfahrtsorten immer viele Migranten anzutreffen sind. Sie geben uns Mut für unseren eigenen Lebensweg. In unserem Leben sind wir immer unterwegs. Im Grunde sind wir alle Pilger. Mit ihrer Hoffnung können die Migranten auch uns Einheimische und Sesshaften ermutigen.

 

An diesem Sonntag der Völker geht es um eine gesunde Integration. Zugezogene wie auch Einheimische sollen sich wohl fühlen. Integration heisst nicht, dass die Fremden sich uns in allem anpassen müssten. Das wäre ein Verlust - eine Assimilation, die zu vermeiden ist. Vielmehr geht es bei der Integration um ein gegenseitiges Nehmen und Geben. Auch wir können von den Zugezogenen viel empfangen: ihre Dankbarkeit, ihre Hilfe und Arbeitskraft, ihre Fröhlichkeit, ihre Kultur und ihre Erfahrungen. Sie können uns viel Glauben und Hoffnung geben. Migranten können für uns eine Bereicherung werden. Sie können uns nicht nur menschlich, sondern auch religiös und kirchlich bereichern. Mit ihrem religiösen Glauben können sie ein grosses Geschenk werden. Sie können uns zeigen, wie viel Kraft und wie viel Mut wir aus dem Glauben an Gott schöpfen können. Sie können uns Mut geben für unseren eigenen Lebensweg, der ja für alle ein Pilgerweg des Glaubens und der Hoffnung ist.

 

+ Martin Gächter, Weihbischof von Basel

Beauftragter der Schweizer Bischöfe für die Anderssprachigen