Handreichung

Gründung und Führung von Pastoralräten für
Anderssprachige Gemeinschaften (Missionen) in der Schweiz

  

Auf Wunsch verschiedener anderssprachiger Seelsorger und Gläubigen hat die Pastoralkommission von migratio die „Wegleitungen für die Gründung und Führung von Seelsorgeräten der Missionen für Fremdsprachige in der Schweiz“ vom März 1987 überarbeitet. Im Sinn der Vatikanischen Instruktion „Erga migrantes caritas Christi“ vom 3. Mai 2004 werden die Begriffe „Anderssprachige Seelsorger“ statt „Missionare“, „Pastoralrat“ statt „Missionsrat“, „Anderssprachige Gemeinschaft“ statt „Mission“ und „Anderssprachige“ statt „Fremdsprachige“ verwendet.

  Da ein anderssprachiger Pastoralrat nicht obligatorisch, sondern fakultativ – jedoch sehr empfohlen – ist, handelt es sich hier um einen Vorschlag. Das überarbeitete Dokument will die Grundstrukturen und –aufgaben eines Pastoralrates aufzeigen und eine Hilfe in der Erstellung oder Überarbeitung der Statuten eines Pastoralrates sein. Die Bestimmungen dieser Richtlinien sind Empfehlungen. Die Zuständigkeiten der  Verantwortlichen des Bischofs für die Migrantenseelsorge und der Pastoralkommission von migratio sind verbindlich vorgegeben.

 

Einführung

   

Gemäss der Aussage des 2. Vatikanischen Konzils, dass „das Apostolat der Laien in der Kirche niemals fehlen kann“ (Apostolicam actuositatem, Nr. 1), wird die Kirche als Gemeinschaft der Getauften in ihrem seelsorgerlichen Wirken bereichert, wenn sie die verschiedenen Charismen innerhalb ihrer Gemeinschaft aufwertet. In einer stark pluralisierten Gesellschaft ist die Zusammenarbeit zwischen Laien und geweihten Personen unabdingbar geworden. So „besteht in der Kirche eine Verschiedenheit des Dienstes, aber eine Einheit der Sendung“ (AA Nr. 2). Jeder Laie muss sich seiner Mitverantwortung für das geistliche Leben aller Menschen und besonders seiner Gemeinde bewusst sein. (vgl. Erga Migrantes Caritas Christi, Rechtlich-pastorale Weisungen Art. 3) Jede anderssprachige Gemeinschaft soll deshalb einen Pastoralrat haben.

Zusammen mit dem Seelsorgeleiter und dem Seelsorgeteam ist der Pastoralrat stets im Gespräch mit den Gläubigen, um ihre Lebensumstände wahrzunehmen und im Lichte des Evangeliums zu deuten. Der Pastoralrat soll die ganze Vielfalt der Gemeinschaft widerspiegeln, und Vorbildcharakter für das Leben der anderssprachigen Katholiken haben, wo Gemeinschaft gelebt und gefeiert wird, und wo Christen in gegenseitiger Liebe als gläubige Menschen wachsen können.

 

1. Zweck und Aufgabe

    

Der Pastoralrat steht im Dienst der Seelsorge. Er hat eine konsultative Aufgabe und vertritt die anderssprachigen Gläubigen. Die Mitglieder des Rates bringen Anregungen und Wünsche der Gläubigen und anderer Menschen guten Willens zur Sprache und kümmern sich um die Ausführung der Beschlüsse.

Spezifische Aufgaben des Pastoralrates sind:

a)   Liturgie: Mithilfe in der Gestaltung und Vorbereitung von Gottesdiensten, Feiern der Sakramentenspendung (in einheimischer und fremder Sprache)

b)    Erwachsenenbildung: Mithilfe in der Organisation von religiösen Kursen, Kursen über Ehe- und Familienfragen, sowie Probleme der Emigration.

c)    Jugendarbeit: Mithilfe in der Organisation und Führung von Jugendgruppen, Jugendkatechese, Einbezug der Jugendlichen in den Gemeindeaktivitäten.

d) Veranstaltungen der anderssprachigen Gemeinschaft: Durchführung Organisation von Anlässen, Ausflügen u.a.m.

e)    Zusammenarbeit mit den einheimischen Pfarreiräten und Pfarrgemeinderäten sowie mit andern anderssprachigen Pastoralräten: Mithilfe in der Organisation, Durchführung von Anlässen, die alle Gläubigen betreffen, und gegenseitiges Informieren.

f)     Sozial-karitativer Dienst: Besuch der Kranken, Alten und Alleinstehenden, Begrüssung der Neuzugezogenen usw.

g)    Information: Vermittlung von Hinweisen und Informationen an die Gläubigen über die Tätigkeit des Pastoralrates und der anderssprachigen Gemeinschaft.

h)   Bei der Stellenbesetzung eines neuen Leiters der anderssprachigen Gemeinschaft den kirchlichen Autoritäten und kantonalen Behörden beistehen.

   

2. Kompetenzen

    

Der Pastoralrat steht im Dienst der anderssprachigen Gemeinschaft. Er hilft dem Seelsorger in der Entscheidungsfindung. Er unterbreitet ihm seine Anregungen und Empfehlungen als Anträge mit Begründung.

Kann sich der Seelsorger mit einer Empfehlung des Pastoralrates nicht einverstanden erklären, hat er seinen Einwand zu begründen. Können sich Seelsorger und Rat nicht einigen, ist - wo es dieses Amt gibt – zuerst der Zonenverantwortliche und danach der nationale Koordinator als Vermittler beizuziehen.

Kommt es auch bei der Vermittlung durch den nationalen Koordinator nicht zu einer Einigung, - und für jene anderssprachige Gemeinschaft für die kein nationaler Koordinator ernannt ist – ist dem Verantwortlichen des Bischofs für die Migrantenseelsorge am Sitz der anderssprachigen Gemeinschaft die Sachlage zu unterbreiten. Seine Entscheidung ist für  die involvierten Parteien verbindlich.

Ist die Arbeitsfähigkeit des Pastoralrates aufgrund innerer Zerwürfnisse  unmöglich geworden, oder sprechen andere schwerwiegende Gründe dafür, kann der Verantwortliche des Bischofs für die Migrantenseelsorge am Sitz der anderssprachigen Gemeinschaft den Pastoralrat auflösen.

Bei Vakanz der Seelsorgestelle arbeitet der Pastoralrat weiter, ohne wesentliche Änderungen innerhalb des Gemeinschaftslebens vorzunehmen. Der Pastoralrat hat den neuen Seelsorger über die bisherige Arbeit zu orientieren. Während seiner längeren Einarbeitungsphase kann - auf Wunsch des neuen Seelsorgers - der Verantwortliche des Bischofs für die Migrantenseelsorge am Sitz der anderssprachigen Gemeinschaft den Pastoralrat auflösen.

Für alle Belange der Pastoralräte von überregionalen und gesamtschweizerischen anderssprachigen Gemeinschaften ist die Pastoralkommission von migratio zuständig. Für diejenigen von lokalen Pastoralräten am Gottesdienstort der Verantwortliche des Bischofs für die Migrantenseelsorge vor Ort.

    

3. Zusammensetzung des Pastoralrates

    

a) Mitglieder: Der Pastoralrat besteht aus gewählten und aus berufenen Mitgliedern, wie auch aus Mitgliedern von Amtes wegen.

Der anderssprachige Seelsorger und die in der anderssprachigen Gemeinschaft hauptamtlich in der Seelsorge Tätigen (über 50%) sind von Amtes wegen Mitglieder des Pastoralrates mit beratender Stimme, d.h. sie stimmen und wählen im Rat nicht mit.

Die gewählten Mitglieder sollen aus allen Altersstufen (ab 16 Jahren) beiderlei Ge­schlechts vertreten sein. Auch Personen 2. und 3. Generation sollen für einen Sitz im Pastoralrat gefördert werden. In einer anderssprachigen Gemeinschaft, die ein grös­seres Gebiet umfasst, soll darauf geachtet werden, dass alle Regionen nach der Anzahl der dort ansässigen Gläubigen vertreten sind. Unter Umständen ist es angezeigt, mehrere regionale Seelsorgeräte oder Kontaktgruppen zu haben.

Der Pastoralrat soll die Vielfalt innerhalb einer anderssprachigen Gemeinschaft widerspiegeln, damit alle Gläubigen, die sich mit ihr verbunden fühlen, darin vertreten sind.

Zur Ergänzung und zur optimalen Vertretung der verschiedenen Gruppen kann der Pastoralrat mit einer Zweidrittel-Mehrheit bis zu einem Viertel der Mitglieder selber berufen. In diesem Fall steht dem Seelsorger das Vorschlagsrecht zu, oder mindestens 20 Gläubige, die als Gruppe wahrgenommen werden kann, können einen begründeten Vorschlag beim Pastoralrat einreichen.

Es soll auch darauf geachtet werden, dass ein Delegierter des Pfarreirats jener Pfarrei, in der die anderssprachige Gemeinschaft ihren Sitz hat oder seinen Gottesdienst feiert, in den Pastoralrat berufen wird, entweder als gewähltes oder als berufenes Mitglied.

Umgekehrt soll darauf geachtet werden, dass Mitglieder des anderssprachigen Pastoralrates Einsitz im Pfarreirat/Pfarrgemeinderat in jener Pfarrei haben, in der die anderssprachige Gemeinschaft ihren Sitz hat oder ihren Gottesdienst feiert.

Wo anderssprachige Gemeinschaften in Zonen eingeteilt sind, sollen mindestens zwei Mitglieder des Pastoralrates Einsitz im Pastoralrat der Zone haben.

b) Grösse: Der Pastoralrat soll mindestens 7 Mitglieder zählen. Seine Grösse bestimmt sich nach der Anzahl der Gläubigen der Gemeinschaft. Mit Rücksicht auf die Arbeitsfähigkeit des Rates ist die Zahl der Mitglieder des Pastoralrates zu beschränken. Für einzelne Aufgabenkreise können Arbeitsgruppen gebildet werden.

c) Bestellung: Die Initiative zur Errichtung eines Pastoralrates soll vom Seelsorger oder von einer Gruppe von Laien ausgehen, die die Vorbereitungen für die Wahl der Mitglieder des Pastoralrates treffen.

Das vorbereitende Gremium nimmt Wahlvorschläge entgegen und veröffentlicht die Wahlliste. Es kann selber Kandidaten portieren. Die Kandidaten geben vorgängig der Wahl ihre Bereitschaft zur Mitarbeit kund. Auf der Wahlliste sollen nach Möglichkeit mehr Kandidaten aufgeführt werden als Mitglieder des Pastoralrates gesucht werden.

Aktives und passives Wahlrecht haben alle über 16-jährigen Gläubigen, die aufgrund

Ihrer Sprache, Kultur oder persönlicher Verbundenheit zur anderssprachigen Gemeinschaft gehören. Es ist zu erwarten, dass die Kandidaten das religiöse Leben der anderssprachigen Gemeinschaft kennen, sowie um die Anliegen und Probleme ihrer Gläubigen wissen. Die Kandidaten sind aktive Gläubige, die in der Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche verwurzelt sind.

Bei anderssprachigen Gemeinschaften, die ein grösseres Gebiet umfassen, ist man an dem Gottesdienstort wahlberechtigt, wo man seinen Wohnsitz, oder seinen religiösen Schwerpunkt hat. Man kann nur an einem Ort wahlberechtigt sein.

Die geheime Wahl soll im Anschluss an einen Gottesdienst, wenn möglich an allen Orten, wo der Seelsorger Gottesdienste feiert, durchgeführt werden. Wenn die Wahl an mehreren Orten abgehalten wird, sollen die Vertreter des vorbereitenden Gremiums anwesend sein und die Wahl durchführen.

Das Resultat der Wahl soll allen Gläubigen der anderssprachigen Gemeinschaft durch das Missionsblatt oder durch ein Zirkular bekanntgegeben werden.

d) Dauer des Mandats und Erneuerungswahlen: Die Wahl in den Pastoralrat erfolgt auf die Dauer von 4 Jahren.

Bei Ausscheiden aus dem Pastoralrat während der Amtsdauer wird eine Ergänzungswahl durch den Pastoralrat vorgenommen.

Mitglieder des Pastoralrates können vor Ablauf der Amtszeit abberufen werden, wenn eine Zweidrittel-Mehrheit des ganzen Pastoralrates und der Verantwortliche des Bischofs für die Migrantenseelsorge am Sitz der anderssprachigen Gemeinschaft aus wichtigen Gründen dem zustimmen.

      

4. Organisation

    

a) Vorsitz: Den Vorsitz im Pastoralrat führt ein vom ihm gewählter Präsident, der im Einverständnis mit dem Seelsorger seine Aufgabe übernimmt. Präsidenten aus der 2. oder 3. Einwanderergeneration können leichter Brücken bauen zwischen der einheimischen und der anderssprachigen Kultur. Für die konstituierende Sitzung wird ein Alterspräsident ernannt, d.h. das älteste Mitglied des Pastoralrates leitet die Wahl des Vorsitzenden.

Zur Aufgabe des Vorsitzenden des Pastoralrates gehört, nach Absprache mit dem Seelsorger, die Einberufung der Sitzungen und die Erstellung der Traktandenliste. Er leitet die Zusammenkünfte des Pastoralrates.

Er nimmt an den regionalen oder diözesanen Treffen der Vorsitzenden der Pastoralräte teil.

b) Aktuar: Der Aktuar führt das Protokoll der Zusammenkünfte und erledigt die schriftlichen Arbeiten.

c) Weitere Chargen: Nach dem örtlichen Statut können weitere Chargen gewählt werden.

d) Stellvertreter: Für die einzelnen Chargen wird ein Stellvertreter gewählt, der im Verhinderungsfall den Erstgewählten vertritt.

e) Arbeitsausschuss: Je nach Grösse des Pastoralrates ist die Bildung eines Ar­beitsausschusses angezeigt, in dem der Seelsorger und die Vertreter der Arbeitsgruppen Einsitz nehmen. Die Aufgabe des Arbeitsausschusses ist die Entlastung des Präsidenten. Der Arbeitsausschuss erstellt die Traktandenliste der Zusammenkünfte des Pastoralrates und überwacht die Durchführung seiner Beschlüsse.

    

5. Arbeitsweise

    

a) Statut: Jeder Pastoralrat gibt sich, den örtlichen Gegebenheiten gemäss, ein Statut. Die Statuten treten nach Annahme des Seelsorgers und nach der Genehmigung durch den Verantwortlichen des Bischofs für die Migrantenseelsorge am Sitz der anderssprachigen Gemeinschaft in Kraft.

b) Zusammenkünfte: Der Pastoralrat wird mindestens einmal pro Quartal vom Präsi­denten oder vom Arbeitsausschuss einberufen. Die Einladung erfolgt schriftlich zusammen mit der Traktandenliste, mindestens 20 Tage vor dem Sitzungstermin. Anträge an den Pastoralrat müssen 10 Tage vor der Sitzung dem Präsidenten schriftlich eingereicht werden.

Ein Drittel des Pastoralrates kann die Einberufung einer Sitzung verlangen.

c) Arbeitsgruppen: In die Arbeitsgruppen können auch Nicht-Mitglieder des Pastoralrates berufen werden. In den Arbeitsausschuss werden von den Arbeitsgruppen Mitglieder des Pastoralrates delegiert.

Bestimmte Aufgaben können an bestehende Organisationen und Vereine delegiert werden. Für Einzelfragen können Spezialausschüsse ernannt werden.

d) Protokoll: Von jeder Sitzung ist mindestens ein Beschlussprotokoll zu erstellen; es wird allen Mitgliedern des Pastoralrates zugestellt.

e) Abstimmungen: Im Pastoralrat werden Abstimmungen im allgemeinen offen durch­geführt. Es ist eine geheime Abstimmung durchzuführen, wenn ein anwesendes Ratsmitglied dies verlangt.

Bei Stimmengleichheit in Abstimmungen entscheidet der Vorsitzende durch Stichent­scheid.

f) Information: Die Angehörigen der anderssprachigen Gemeinschaft werden regelmässig über die Tätigkeit des Pastoralrates informiert durch ihre Informationsorgane oder durch Zirkulare. Gleichzeitig werden auch die Pfarrämter im Gebiet der anderssprachigen Gemeinschaft informiert, die auch zu den Zusammenkünften des Pastoralrates eingeladen werden.

g) Weiterbildung: Der Vorsitzende des Pastoralrates ist darum bemüht, dass die Mitglieder des Pastoralrates religiöse Weiterbildungskurse, Tagungen usw. besuchen.

      

Herausgegeben von der Pastoralkommission der migratio.

Zustimmend zur Kenntnis genommen von der Schweizer Bischofskonferenz

am 1. März 2011

Freiburg, 27. Juni 2011 PK